Warum Sie paranormale Erfahrungen ernst nehmen sollten

Allgemeines

Bei fast jeder Beratungsanfrage zu paranormalen oder außergewöhnlichen Erfahrungen lese ich Sätze wie „Bitte nehmen Sie mich ernst!“, „Bitte halten Sie mich nicht für verrückt!“ oder ähnliches. Offenbar machen viele Menschen, die solche Erfahrungen machen, auch die Erfahrung, von ihrer Umwelt nicht ernst genommen zu werden. Ratschläge der Art, einen Psychiater aufzusuchen, sind an der Tagesordnung.

Doch damit tun Sie den Betroffenen oft keinen Gefallen. Im Gegenteil, nicht selten verschlimmern Sie das Problem mit solchen schnell geäußerten Ratschlägen. Denn zu der Erfahrung, Dinge zu erleben, die dem eigenen Weltbild völlig entgegenlaufen, kommt dann für die Betroffenen auch noch die Erfahrung, von ihrer Umwelt als „verrückt“ oder „krank“ abgestempelt zu werden.

Wie aber sollten Sie sich gegenüber Betroffenen verhalten?

Am wichtigsten ist:

Nehmen Sie die Erfahrungen der Betroffenen ernst!

Ohne Frage gibt es Fälle, in denen paranormale Erfahrungen auch auf psychische Probleme oder gar Störungen zurückzuführen sind. Aber diese Fälle kommen seltener vor, als man annehmen könnte. Und selbst wenn der Verdacht naheliegt, sind die meisten Menschen nicht in der Lage einzuschätzen, ob wirklich eine psychische Störung vorliegt oder nicht. Das sollten Sie daher unbedingt Fachleuten überlassen. Viele Psychiater oder Psychotherapeuten sind jedoch mit der Thematik überhaupt nicht vertraut. Daher ist auch dann, wenn der Verdacht auf eine psychische Störung naheliegt, der Rat, einen x-beliebigen Psychiater aufzusuchen, nicht unbedingt hilfreich. Es ist besser, den Betroffenen zu raten, sich an spezielle Beratungsstellen zu wenden, die Menschen mit außergewöhnlichen Erfahrungen beraten und auch Psychiater oder Psychotherapeuten im Team haben. Diese ausgebildeten Fachleute können viel besser auf den Betroffenen eingehen. Dies erhöht auch die Akzeptanz des Betroffenen für eine eventuell notwendige Behandlung. Ich empfehle in der Regel in Fällen, in denen ein Kontakt zu ausgebildeten und mit der Thematik vertrauten Psychotherapeuten sinnvoll erscheint, die Beratungsstelle des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg im Breisgau.

Häufig erleben aber eben auch psychisch völlig gesunde Menschen Dinge, die sie nicht einordnen können und die ihr Weltbild gehörig durcheinander bringen. Das führt sehr oft zu erheblicher Verunsicherung bei Betroffenen. Diesen Menschen helfen Sie nicht, indem Sie ihnen psychische Störungen andichten. Natürlich bedeutet die Tatsache, dass diese Betroffenen psychisch gesund sind,nicht automatisch, dass sie etwas erlebt haben, was sich mit bekannten wissenschaftlichen Theorien nicht erklären lässt. Die Mehrzahl der Erlebnisse lässt sich auf konventionelle Erklärungen zurückführen. Aber nur selten ist von Anfang an klar, wie sich ein Erlebnis erklären lässt. Hinter den meisten Erfahrungen stecken alles andere als triviale Vorgänge, sondern in der Regel komplexe psychologische und/oder physikalische Prozesse, die man zunächst einmal ergründen muss, ehe man dem Betroffenen zu erklären versucht, was hinter seiner Erfahrung steckt. Das zweite Prinzip, das Sie im Umgang mit Betroffenen beachten sollten, lautet daher:

Seien Sie gegenüber den Erfahrungen der Betroffenen unvoreingenommen! Nehmen Sie von vorschnellen Erklärungen Abstand!

Auch hier können die einschlägigen Beratungsstellen weiterhelfen, weil die dort tätigen Fachleute darin geschult sind, die Ursachen für außergewöhnliche Erfahrungen unvoreingenommen und exakt zu ergründen. Das Ergebnis einer solchen Untersuchung kann dann natürlich auch lauten, dass keine konventionelle Erklärung gefunden werden kann.

In manchen Fällen kann es aber auch sein, dass die Betroffenen gar keine konventionelle Erklärung ihrer Erlebnisse wollen oder ihnen eine solche Erklärung nicht weiterhilft. Manchmal steht dann die persönliche Bedeutung des Erlebten für den Betroffenen im Vordergrund. Wenn beispielsweise ein Mensch in einer Erfahrung einen verstorbenen Verwandten wahrgenommen hat und ihm diese Erfahrung hilft, etwa einen Konflikt zu verarbeiten, den er oder sie mit dem gesehenen Verstorbenen hatte und der zu Lebzeiten nicht mehr geklärt werden konnte, dann ist eine konventionelle naturwissenschaftliche Erklärung für das Erlebte für den Betroffenen unter Umständen gar nicht hilfreich. Für den Fall, dass das Erlebnis dem Betroffenen hilft, etwas zu verarbeiten, oder einfach angenehm war, ist es vielleicht sogar das Beste, die Interpretation des Betroffenen einfach stehen zu lassen und nicht zu hinterfragen. Ist das Erlebte für den Betroffenen dagegen unangenehm und von Angst geprägt, sollte im Vordergrund stehen, dem Betroffenen die Angst zu nehmen und ihm zu zeigen, dass ihm von dem Erlebten keine Gefahr droht (was in den allermeisten Fällen tatsächlich so ist). Dann sollte man sich auch um eine konventionelle Erklärung des Erlebnisses bemühen.

Ein weiteres wichtiges Prinzip lauter daher:

Gehen Sie auf die Bedürfnisse der Betroffenen ein!

Wenn Sie die hier genannten Prinzipien im Umgang mit Menschen, die außergewöhnliche Erfahrungen gemacht haben, beachten, helfen Sie ihnen mehr als mit vorschnellen Erklärungen oder gar Pathologisierungen. Es ist verständlich, dass Sie vielleicht selbst mit der Erfahrung, die Ihnen berichtet wird, überfordert sind. Dann sollten Sie sich das aber auch eingestehen. Folgen Sie im Zweifelsfall dem Prinzip:

Verweisen Sie Betroffene gegebenenfalls an geeignete Fachleute oder Beratungsstellen!

Haben Sie Fragen zum Umgang mit Menschen, die außergewöhnliche Erfahrungen machen? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!.

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2 thoughts on “Warum Sie paranormale Erfahrungen ernst nehmen sollten

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