Feed auf
Postings
Kommentare

Viele Menschen haben vor sogenannten paranormalen Erfahrungen Angst. Ein Teil dieser Angst ist sicherlich dadurch begründet, dass die Betroffenen Erfahrungen machen, die ihnen bisher unbekannt waren. Was sie erleben, passt nicht in ihre bisherige Erfahrungswelt und auch oft nicht in ihr Weltbild.

Manchmal entsteht Angst aber auch zusätzlich dadurch, dass die Erfahrung als Bedrohung empfunden wird. Das Unbekannte wird als Gefahr angesehen. Angeheizt wird diese Angst vor einer Gefahr oft noch durch Berichte, die die Betroffenen im Netz finden und die von bösen Geistern, Dämonen und anderen bedrohlichen Dingen erzählen. Oftmals handelt es sich dabei auch um Deutungen der Erfahrungen Betroffener durch andere.

Ich halte das für hochproblematisch. Zunächst muss man festhalten, dass die Existenz von Geistern, sowohl von „guten“ wie von „bösen“, oder gar von Dämonen in keinster Weise belegt ist und viele Erfahrungen auf etwas ganz anderes zurückzuführen sind. Menschen einzureden, sie hätten einen bösen Geist oder gar Dämon im Haus, ihnen vielleicht sogar zu raten auszuziehen, ist also nicht zielführend und sollte tunlichst unterbleiben. Solche Ratschläge ängstigen und verunsichern die Betroffenen nicht nur noch mehr, als sie ohnehin schon sind, sie verleiten sie auch zu folgenschweren Handlungen, die drastische Auswirkungen auf ihre Existenz haben können. Die wirkliche Gefahr geht in dem Fall also vielmehr von denen aus, die den Betroffenen ein Problem mit bösen Geistern oder Dämonen einreden, und nicht von den Phänomenen selbst. Das Phänomen selbst wird zwar als bedrohlich empfunden, ist es aber meistens gar nicht. So ist zumindest meine Erfahrung. In 15 Jahren Beratungstätigkeit ist mir noch kein Vorfall berichtet worden, der von sich aus eine ernsthafte Gefahr für die Betroffenen darstellte. In einigen Fällen entstand geringer Sachschaden. Menschen kamen jedoch nie zu Schaden.

Die eigentliche Gefahr für die Betroffenen geht, wie oben angedeutet, also von der Angst aus, die das Erlebte verursacht. Dass die Angst und die Verunsicherung, die die Vorfälle auslösen, Menschen nachhaltig beeinträchtigen und auch den Alltag negativ beeinflussen können, habe ich in zahlreichen Beratungssituationen erfahren müssen. Das reicht von akuten psychischen Krisen durch die durch eine extreme Erfahrung ausgelöste Angst bis zu jahrelangen Beeinträchtigungen im Alltag.

Und diese Gefahr für die Betroffenen muss man sehr ernst nehmen. Den Menschen kann nur geholfen werden, wenn man ihre Erfahrungen und die daraus entstehenden Ängste nicht belächelt oder gar mit Spott abtut oder für „verrückt“ erklärt, sondern ihnen zuhört, sie ernst nimmt und versucht, ihnen diese Ängste zu nehmen. Erfahrungswerte von anderen Betroffenen, die zeigen, dass ihnen keine Gefahr droht, sind dabei sehr hilfreich. Nicht hilfreich, sondern absolut schädlich sind neben Hohn und Spott dagegen aber eben auch die bereits diskutierten Deutungen von Erfahrungen als böse Geister, Dämomen oder andere bedrohliche Dinge. Sie entbehren jeder Grundlage und verstärken bei den Betroffenen das Gefühl eines Kontrollverlustes. Stattdessen müssen Betroffene die Kontrolle über die Situation zurückbekommen. Gelingt dies, erleben die meisten Betroffenen eine deutliche Verbesserung ihrer Lage, oftmals hört das bedrohliche Erleben auch ganz auf.

Zuletzt sei natürlich noch erwähnt, dass in einigen, aber auch seltenen Fällen die Gefahr für die Betroffenen auch davon ausgeht, dass das eigene Erleben durch eine psychische Störung ausgelöst wird. Schizophrene Psychosen mit einem Wahnerleben, das paranormalen Erfahrungen ähnelt, können Menschen zu Handlungen verleiten, die im Extremfall sogar eine akute Gefahr für Leib und Leben der Betroffenen darstellen können. Aufgabe eines kompetenten Beraters ist auch, solche Fälle zu erkennen und den Betroffenen dann behutsam dabei zu unterstützen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Als Berater sollte man sich auch nicht scheuen, selbst professionelle Anlaufstellen zu kontaktieren, wenn man sich von einer solchen Situation überfordert fühlt.

Flattr this!

8 Kommentare auf “Sind paranormale Erfahrungen gefährlich?”

  1. Sascha Heiland sagt:

    Eine Beratung hätte ich vor 20 Jahren gebraucht. Da War ich nach einer Erfahrung ziemlich gestört und hab niemandem davon berichtet. Nu bin ich geheilt, aber mein innerer Drang, die Geschichte zu erzählen wird nun stärker.

    Ich hatte damals 1 Monat vorher geträumt, dass ich in einer Stadt umher irren würde. Einen Monat später bin ich mit nem Kumpel auf die Loveparade und hatte ihn verloren. Gelaufen und gelaufen, und auf nem Mäuerchen fast eingeschlafen und runtergefaĺlen. Da war der Traum da. An sämtliches, was ich noch erleben werde an dem Tag konnte ich mich daran erinnern. Nur wann Und in welcher Reihenfolge wusste ich nicht. Da waren sehr kuriose Sachen dabei und ich habe meine Zukunft mehrmals verändert, da ich eine günstigere Entscheidung getroffen hab, da ich wusste, was schlimmes im Traum geschehen ist. Aber auch wusste ich wo ich hin laufe, und dass ich einen Kreisverkehr mit Springbrunnen erreichen musste. Obwohl ich noch nie in dieser Stadt war. Alles Erlebte sah exakt wie im Traum aus. Was da wohl der Auslöser war…

  2. Beratung sagt:

    Was der Auslöser für solche Träume ist, ist schwer zu sagen. War das die letzte Love-Parade in Duisburg? Ich bitte allerdings generell darum, solche Anfragen nicht öffentlich zu stellen, weil ich denke, Privatsphäre ist bei sowas sehr wichtig.

  3. Sascha Heiland sagt:

    Nö, War nicht in Duisburg. Wie gesagt, schon 20 Jahre her. Berlin 1994. Ich war 17 Jahre alt.

  4. Beratung sagt:

    Wie gesagt, eine Erklärung ist da schwer zu geben. Die Frage ist für mich auch: Was war so verstörend für Sie daran? Die Erfahrung selbst klingt ja nun erst mal nicht bedrohlich. Seltsam ja, aber nicht gefährlich.

  5. Sascha Heiland sagt:

    Stimmt, gefährlich nicht. Seltsam? sehr.
    Naja, ich habe meinen Traum / Erlebtes HIER ja nur angekratzt.
    Wer wird denn nicht verstörend wenn man in einer Stadt läuft,– die man kennt, weiss wo man hin muss und weiss wie der Platz aussieht, von mehreren Ereignissen den (schlechten) Ausgang schon kennt, sich daraufhin nämlich dann anders entscheidet,– obwohl man noch NIE in dieser Stadt war?

    Es sind so viele Dinge passiert, die auch im Traum vor kamen, das würde hier den Rahmen sprengen.
    Ich werde trotzdem nur mal 2 Beispiele nennen:

    Traum…
    …ich saß dann im laufe des Tags in irgend einer Bahnhofhalle, es kam ein Pärchen aus 2 Türen (Toiletten) raus und streiteten sich. Ich beobachtete sie aus ner guten Entfernung und ER bemerkte mich, wie ich beobachtete.
    Er schrie mir irgendwas rüber wie -Wieso ich so blöd glotzen würde- oder so. Ich sagte was blödes zurück, daraufhin ging er auf mich los und verfolgte mich durch die ganze Halle, kriegte und vermöbelte mich, Ich konnt mich dann entreissen und doch flüchten.

    In der WIRKLICHKEIT war es …bis er sagte -was ich so blöd glotzen würde-.
    Ich kannte den Ausgang des Traumes, stand wortlos auf und ging.

    Zweites BsP:
    Traum:
    Ich war müde und hab mich auf eine Verkehrsinsel gesetzt, an einen Ampelmast gelehnt, mit dem Rücken zu den Stehenden Autos an der Ampel und etwas gedöst. Ein Autofahrer war vermutlich verwundert und abgelenkt und fuhr direkt auf meinen derzeit geliebten Ampelmast drauf, vor dem ich lehnte. Ich sah mich, wie ich auf einer Trage in den Krankenwagen geschoben wurde (VON AUSSERHALB – also 3te Person)

    In der WIRKLICHKEIT saß ich genauso an dem selben Mast und döste. Da kam mir wie vom Blitz getroffen meinen Traum in den Sinn und welchen Ausgang der hatte. Ich glaub, ich war noch nie so schnell wach, sprang auf und ging weiter. Bin nachher sogar nochmals zurück gekehrt um zu sehen, ob da wirklich ein Auto auf meinen Mast gefahren ist. War nix, oder es kam noch, oder es war dann doch wegen mir.
    ——–
    Die ganzen Umgebungen in denen das alles passierte, waren 1:1, also Traum-Wirklichkeit.

    Es interessiert mich eigentlich weniger, WAS der Auslöser des Traumes war, sondern eher WIE KANN DAS SEIN?

    Und die Story hier ist so phantastisch, das man es kaum glauben mag.
    Daher will ich alles Erlebte aufschreiben, das Erlebte teilen, und vieleicht reicht es ja auch mal für ein Buch.

  6. Beratung sagt:

    Wie ich schon mal sagte, wie das sein kann, kann Ihnen so ohne Weiteres keiner erklären. Ein Skeptiker würde jetzt argumentieren, dass Sie Ihren Traum im Nachhinein so erinnern und interpretieren, dass es passt. Oftmals trifft das auch zu. Ob das bei Ihnen so ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich will Ihre Version damit nicht anzweifeln, sondern zunächst nur mal Erklärungsansätze aufzeigen.

  7. Sascha Heiland sagt:

    Naja reininterpretiert war ja nix. Das war ja alles vorgeträumt und kam dann live. Nur es musste Schlüsselmomente von den einzelnen Situationen geben, die dann das Geträumte wieder hoch holten und die mir dann den Ausgang der Situation aufzeigte. Wie das an der Kreuzung. Oder wenn man vergessen hat was man noch mal tun wollte, soll man ja auch wieder ein Stück zurück laufen.
    Wie gesagt ich kannte die Reihenfolge der einzelnen geträumten Situationen nicht. Aber wusste wohin ich musste und kannte aber auch Sachen oder Leute, an denen ich vorbei lief, die auch im Traum waren, wie die FKK-ZONE im Tiergarten oder ein knutschendes Pärchen auf ner Parkbank, die mir zulächelten.

    Ich müsste Nostradamus fragen, der konnte das besser. Ich denke das war für mich die gleiche Erfahrung wie bei ihm, nur nicht so ausgeprägt und ungeübt.
    Für mich war das 1 Monat vorher NUR ein sehr intensiver Traum.

    Klar. Erklären kann das niemand, außer dass ich gelesen hab, das auch das Gehirn Strahlung oder Wellen aufnehmen kann, wie Augen das Licht oder Ohren den Schall.
    Ich habe heute noch die Fähigkeit, wenn ich spontan an jemanden denke, meldet sich der bei mir, oder denkt an mich und durch Zufall, kommen wir zusammen. Wie meist telefonisch oder spontaner Besuch.
    Da gab’s auch ne tolle Doku, -Frauchen dachte an Zuhause, stand auf, ging heim,
    Als sie aufstand, lief der Hund zur Tür.

    Ich habe mich lange Zeit nach dem Vorfall nicht mehr um Parapsychologie gekümmert. War danach zerstreut genug. Erst vor kurzem kam das so wieder hoch.

    Insgesamt hab ich nur 2 solcher Träume gehabt. Sonst nie wieder.

  8. Beratung sagt:

    Doch, es gibt durchaus Erklärungsansätze, und zwar durchaus auch natürliche. Reininterpretiert meine ich in dem Sinne, dass man sich so an den Traum erinnert, dass es passt, und nicht so, wie er vielleicht wirklich war, also so, dass einem quasi das Gedächtnis einen Streich spielt. Das passiert leider oft, weswegen solche Erlebnisse schwer interpretierbar sind, wenn die Träume nicht sofort nach dem Träumen aufgezeichnet werden. Ob Nostradamus das besser konnte, darf bezweifelt werden. Die Deutung seiner Verse als prophetisch ist wissenschaftlich nicht wirklich untermauert. Vieles wurde von denen, die das so interpretiert haben, nachweislich falsch übersetzt und interpretiert. Daher würde ich mich auf Nostradamus nicht berufen. Vermutlich hat er nur Gedichte geschrieben.

    Das Phänomen der Telefontelepathie ist auch nicht wirklich belegt. Im Alltag ist es meist eine Täuschung, weil man sich die Ereignisse, bei denen es passt, merkt, die, bei denen es nicht passt, aber nicht. Deswegen überschätzt man die Wahrscheinlichkeit für solche Vorkommnisse deutlich. Neuere experimentelle Untersuchungen konnten das Phänomen jedenfalls nicht bestätigen.

Kommentar abgeben